25.11.2018

Große Moral wird am Ende nicht belohnt

Dreiviertel auf Augenhöhe mit Thuringia Bulls

Im Spitzenspiel der RBBL musste der RSV Lahn-Dill am Samstagabend eine knappe Niederlage gegen den Titelverteidiger RSB Thurningia Bulls einstecken. Vor 1.450 Zuschauern in der Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle boten die Wetzlarer dem Tabellenführer drei Spielviertel lang ein Duell auf Augenhöhe, ehe sie am Ende eine 58:67 (13:22/29:41/46:51) Niederlage quittieren mussten. Zum Matchwinner bei den Thüringern avancierte der US-Amerikaner Jake Williams, der 26 Punkte erzielen konnte und zehn Assists verbuchte.

Für ein absolut würdiges Spitzenspiel zollte die gute Kulisse im RSV-Wohnzimmer am Ende beiden Teams großen Applaus, doch insbesondere das Heimpublikum feierte den Lokalmatador für eine couragierte zweite Halbzeit mit großer Moral und tollem Kampfgeist. Grund hierfür war eine Aufholjagd der Mannschaft von Head Coach Janet McLachlan, die am Ende jedoch unbelohnt blieb.

Vorausging ein Auftaktviertel, in dem der RSV Lahn-Dill zu viel Respekt vor dem Gegner zeigte, der wiederum von Beginn an hellwach war und seine Stärken eiskalt in die Waagschale warf. Schnell lag die Truppe von Trainer Michael Engel mit 7:2 (3.) und 12:5 (4.) in Front, während die Mittelhessen zwar nicht schlecht spielten, aber ihre Chancen viel zu unentschlossen und zaghaft liegen ließen. Zwei Auszeiten benötigte die kanadische Cheftrainerin der Wetzlarer in der Folge, bis der 13-fache Meister wachgeküsst war. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Thüringer sich allerdings schon einen 31:15-Vorsprung (13.) erarbeitet, der am Ende zumindest mitentscheidend war.

Doch mit diesem Zwischenstand wollte sich Kapitän Michael Paye & Co. zunächst nicht abfinden, nahmen den Kampf an und stoppten in der Folge die mit Abstand beste Offensive der Liga mit einer bärenstarken Verteidigungsarbeit. Vor allem die Einwechslung von Center Jan Gans brachte nun auch mehr Durchschlagskraft in den Angriffsbemühungen. Seine sechs Punkte binnen drei Minuten, sorgten für eine erste Aufholjagd, die Nico Dreimüller zum 29:37 (18.) abschloss. Doch in den letzten Sekunden vor der Pause sorgten zwei, drei leichte Fehler für die sofortige Strafe, die André Bienek mit zwei Körben zum 29:41-Halbzeitstand auf dem Fuße folgen ließ. Eine Situation, die sich im weiteren Verlauf der Partie noch zweimal wiederholen sollte.

Aus der Kabine kam aber zunächst ein wild um seine Chance kämpfender RSV Lahn-Dill. Mit einer extrem druckvollen Verteidigung erzwangen die Gastgeber in dieser Phase alleine fünf Ballverluste der Bulls, deren Vorsprung über 35:43 (22.) und 40:45 (26.) immer mehr zusammenschmolz. Die 1.450 Besucher wurden nun zum lautstarken sprichwörtlichen „sechsten Mann“ und als Thomas Böhme einen Dreier zum 46:49 (29.) in die Reuse der Gäste einschweben ließ, glich die August-Bebel-Sporthalle einem Tollhaus.

Doch erneut war es eine kurze unaufmerksame Phase bei den Lahn-Dillern, die eine mögliche Wende in der Partie verhinderte. So lösten sich die Gäste über 46:55 (32.) und 48:60 (34.) urplötzlich wieder aus der Umklammerung der Hausherren und bestraften in Form einer Top-Mannschaft jeden Fehler ihres mittelhessischen Kontrahenten eiskalt. Den Kopf in den Sand stecken war an diesem Tag aber keine Alternative für die Wetzlarer Rollis, die sich mit viel Herz und unbändiger Kampfkraft noch ein letztes Mal zurückkämpften, als das Trio Gans, Hiroaki Kozai und Brian Bell das 54:60 (37.) erzwangen.

Doch nun übernahm Jake Williams die Verantwortung und avancierte in den Schlusssekunden zum Matchwinner. Mit zwei Mitteldistanzwürfen und einem Dreier zerstörte er die Hoffnungen der Gastgeber und erzielte dabei alleine im letzten Spielviertel seine Punkte 15 bis 26. Mit zehn Assists, einem starken Ballvortrag und acht Rebounds war der US-Boy damit der Schlüssel für den Erfolg der Thüringer an diesem achten Spieltag.

Auf der Gegenseite überzeugte der RSV Lahn-Dill mit viel Herz und wäre die zaghafte und unentschlossene Anfangsphase nicht gewesen, hätte das erste Aufeinandertreffen der beiden Platzhirsche in Deutschland durchaus einen anderen Ausgang haben können. Kapitän Paye kam am Ende auf zehn Punkte und elf Assists, während Center Gans mit 14 Punkten und einer Trefferquote von 70 Prozent ebenfalls eine starke Leistung an den Tag legen konnte.

Am kommenden Wochenende warten auf beide Teams Derbys. Während die Thüringer das Ostderby gegen Zwickau vor der Brust haben, reist der RSV Lahn-Dill zum Hessenderby bei den Rhine River Rhinos nach Wiesbaden.

Lahn-Dill: Jan Gans (14), Brian Bell (10), Michael Paye (10), Hiroaki Kozai (9), Thomas Böhme (7/1 Dreier), Philipp Häfeli (6), Nico Dreimüller (2), Annabel Breuer, Christopher Huber, Kai Möller (n.e.).

Thüringen: Jake Williams (26/2), Aliaksandr Halouski (17), Vahid Gholomazad (12), André Bienek (8), Karlis Podnieks (4), Jens Eike Albrecht, Teemu Partanen, Jitske Visser, Raimund Beginskis (n.e.).

Jan Gans machte ein starkes Spiel.Hiroaki Kozai durch die Mitte.Philipp Häfeli (Fotos: Armin Diekmann).