15.04.2018

Matchball gegen Titelverteidiger RSV Lahn-Dill

Enttäuschende 46:81-Niederlage in Playoff-Finalspiel Nummer eins

Der frisch gebackene Deutsche Pokalsieger RSV Lahn-Dill erlebte am Samstag in Spiel eins der Meisterschaftsfinalserie gegen die RSB Thuringia Bulls einen „gebrauchten Abend“. Nur sieben Tage nach dem Pokaltriumph über die Ostdeutschen, fanden die Hessen diesmal in keiner Phase des Spiel Zugriff auch die Partie und verloren am Ende in eigener Halle deutlich und verdient mit 46:81 (12:20/22:38/36:62).

„Uns ist heute einfach gar nichts gelungen“, zog ein enttäuschter RSV-Trainer Ralf Neumann am Ende kurz und knapp, aber ebenso treffend das Fazit von 40 Spielminuten, die in einem totalen Kontrast zum Pokal-Halbfinale vor einer Woche an gleicher Stätte gegen den gleichen Gegner standen.

Bis zum 6:6 (4.) war beiden Kontrahenten der deutliche Respekt voreinander anzumerken, ehe die Waage ganz klar in Richtung des Gastes aus dem Großraum Erfurt ausschlug. Die beiden US-Boys Matt Scott und vor allem Jake Williams zündeten dabei zuerst den Turbo und schon vier Minuten später hatten sich die Bulls einen ersten komfortablen 15:6-Vorsprung (8.) herausgearbeitet.

Gewann die eine Seite nun von Minute zu Minute mehr an Selbstvertrauen, ging dieses dem mittelhessischen Gastgeber Schritt für Schritt verloren. Zu zaghaft, zu inaktiv und nicht konsequent genug agierte der Titelverteidiger. Insgesamt 13 Ballverluste leistete sich der RSV Lahn-Dill in der gesamten Partie, die auch maßgeblich für den ernüchternden 12:26-Rückstand nach nur zwölf Spielminuten waren.

Während der Japaner Hiroaki Kozai nach einer Woche fiebriger Erkältung mit deutlichen Trainingsrückstand zu kämpfen hatte, war es lediglich Kapitän Michael Paye, der vereinzelt Akzente setzen konnte und sich, wenn auch mit mäßigem Erfolg, gegen die drohende Niederlage stemmte. „Heute gibt es allerdings keine Ausreden, wir haben nicht ansatzweise unser Spiel auf das Parkett bekommen und sind klassisch ausgekontert worden“, so Head Coach Neumann weiter.

Er beschrieb damit vor allem das an diesem Abend fehlende aggressive Defensivverhalten, das seine Mannschaft braucht, um ein schnelles und technisches Spiel aufziehen zu können. Stattdessen mussten die Thüringer nicht einmal über sich hinauswachsen, um den Wetzlarer in ihrer Heimstätte gefährlich werden zu können, zu einfallslos und am Ende auch zu verunsichert agierte der 13-malige Meister.

So war nach der Pause die Hoffnung auf eine durchaus noch machbare Wende schnell verflogen. Dem 24:38-Anschluss (21.) durch Thomas Böhme folgte ein 2:8-Lauf und gegen Ende des dritten Viertels ein weiterer 0:9-Run, der beim 34:60 (29.) schonungslos die an diesem Tag aus der Waage geratenen Kräfteverhältnisse offenbarte. Der Rest geriet zur Formsache für die Thuringia Bulls, bei denen US-Paralympicssieger Jake Williams zu einer Weltklasseleistung auflief.

Damit liegt der Herausforderer in der „best-of-three“ Finalserie mit 1:0 in Front und hat bereits am kommenden Samstag im heimischen Elxleben Matchball im Rennen um den Titel. Der RSV Lahn-Dill seinerseits muss Partie Nummer zwei zwingend für sich entscheiden, will er in einem dann alles entscheidenden dritten Finalspiel seine Chance auf die Titelverteidigung wahren.

In den Schlussminuten erhielt der Gastgeber dennoch Szenenapplaus, als sich die rund 1.000 Besucher in der Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle erhoben, um sich vom scheidenden Trio Jan Haller, Dirk Köhler und Felix Schell zu verabschiedeten. Fans wie Spieler konnten in drei kleinen Filmen von Videopartner Plattform3 noch einmal auf die vergangenen Jahre der Protagonisten im Bundesligateam zurückblicken, ehe der letzte Auftritt der Saison vor dem Wetzlarer Publikum endete.

Lahn-Dill: Michael Paye (13/1 Dreier), Thomas Böhme (10), Hiroaki Kozai (10), Brian Bell (5), Philipp Häfeli (2), Christopher Huber (2), Dirk Köhler (2), Felix Schell (2), Annabel Breuer, Nico Dreimüller, Jan Haller, Marian Kind (n.e.).

Thüringen: Jakob Williams (28), Aliaksandr Halouski (18), Matt Scott (17/2), André Bienek (10/1), Vahid Gholomazad (6), Raimund Beginskis (2), Teemu Partanen, Jitske Visser, Jens Eike Albrecht (n.e.).

Kaum ein Durchkommen für Brian Bell.Center Philipp Häfeli nimmt MaßJan Haller letztmalig vor heimischen Publikum.(Fotos: Lamar Dreuth).