11.02.2018

Verlängerungskrimi mit indiskutabler Wurfquote

63:58-Erfolg sorgt für vorzeitige Playoff-Qualifikation

Mit mehr als einem blauen Auge ist der RSV Lahn-Dill am späten Samstagabend aus dem sächsischen Zwickau zurückgekehrt, wo die Mittelhessen nach einer in der Offensive indiskutablen Vorstellung erst nach Verlängerung die Oberhand behielten. Am Ende jubelte der dreizehnfache deutsche Meister über einen 63:58 (9:15/26:30/38:41/50:50)-Erfolg beim BSC-Rollers Zwickau, den die Wetzlarer selbst immer wieder in Frage stellten.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, war Trainer Ralf Neumann auch noch Stunden nach dem glücklichen Overtime-Krimi teils sprachlos über die gezeigten Fehler in der Offensive: „Wir haben wieder einmal gut gespielt, sind aber absolut fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen. Natürlich wirft niemand extra daneben, aber mit wenigen Ausnahmen müssen wir uns heute viele Fragen gefallen lassen“, so der 54-jährige Head Coach des RSV Lahn-Dill.

Dabei starteten Michael Paye & Co. gut in die Partie in Zwickau, führten nach wenigen Minuten bereits 7:2, ehe der erste Blackout folgte. Trotz guter Chancen blieb der Gast sechs Minuten ohne Punkte und musste zum Ende des ersten Viertels einen 9:15-Rückstand quittieren. Freie Korbleger, Airballs aus der Distanz, der RSV blieb auch in der Folge offensiv erschreckend harmlos, so dass sich die Sachsen unter ihrem Korb einigeln konnten und nur auf die Fehler der Mittelhessen warten mussten. So lief der Tabellenzweite bis in die Schlussminuten trotz spielerisch klarer Überlegenheit einem Rückstand hinterher und stand sich bei der Aufholjagd immer wieder selbst im Weg.

Defensiv hatte die Mannschaft von Ralf Neumann den Gegner dagegen gut im Griff. Vor allem die Kreise des Litauers Vytautas Skucas konnten extrem eingeschränkt werden. In die Bresche sprang dafür der Lette Karlis Gabranovs, der den RSV nicht nur zweimal von der 6,75m-Linie überraschte. Topscorer bei den Sachsen war mit Jan Gans jedoch ein Mittelhesse, der am Ende auf starke 17 Zähler sowie 15 Rebounds kam und damit Chef unter den Brettern war.

Knapp fünf Minuten vor der Schlusssirene der regulären Spielzeit war es dann jedoch soweit. Zwei erfolgreiche Freiwürfe von Center Philipp Häfeli und der RSV Lahn-Dill lag erstmals wieder gleichauf mit dem Team aus der Schumann-Stadt. Doch die Wende sollte dies trotz folgender Führung noch lange nicht sein, nachdem US-Boy Benjamin Kenon Sekunden vor dem Ende erneut den Ausgleich für die Rollers erzwingen konnte. Symptomatisch für die gesamte Partie, vergab der RSV sieben Sekunden vor Schluss durch Jan Haller eine letzte gute Chance die Entscheidung vor einer Verlängerung erzwingen zu können.

In dieser drehten die Lahn-Diller zunächst einen 52:54-Rückstand (42.) in eine vermeintlich sichere 60:54-Führung (45.) und hatten die Entscheidung erneut in der eigenen Hand. Zwei katastrophale Fehler führten dann 14 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung erneut zum 60:58-Anschluss für die Hausherren durch Jan Gans. Doch diesmal war es Kapitän Michael Paye, der drei der vier folgenden Freiwürfe verwandelte und den RSV dennoch jubeln ließ.

Kämpferisch hatte sich die Mannschaft bei diesem glücklichen Erfolg auf des Messers Schneide wenig vorzuwerfen, doch die Konzentrationslücken im Abschluss war teilweise eklatant. Während Kapitän Michael Paye als Topscorer mit 23 Punkten noch auf 32 Prozent Trefferquote kam, lagen mit Brian Bell und Thomas Böhme zwei weitere offensive Schlüsselspieler noch deutlich weiter hinter ihren Möglichkeiten. So kamen die Wetzlarer Rollis noch einmal mit einem blauen Auge davon und qualifizierte sich drei Spieltage vor Ende der Hauptrunde vorzeitig für die Playoff-Halbfinalserie.

„Am Samstag gegen Hannover erwartete ich von jedem Einzelnen eine mentale Trotzreaktion, damit wir unseren Offensivfluch besiegen können“, so Trainer Ralf Neumann, der sein sportliches Personal in der kommenden Woche erneut zu zahlreichen zusätzlichen Wurfeinheiten bittet.

Zwickau: Jan gans (17), Karlis Gabranovs (16/2 Dreier), Vytautas Skucas (9/1), Edgaras Ciaplinskas (6), Frank Oehme (4), Rostislav Pohlmann (4), Benjamin Kenon (2), Daniel Gehse (n.e.), Andreas Schaffer (n.e.).

Lahn-Dill: Michael Paye (23/1), Brian Bell (15), Hiroaki Kozai (8), Thomas Böhme (7), Philipp Häfeli (6), Nico Dreimüller (2), Christopher Huber (2), Annabel Breuer, Jan Haller, Dirk Köhler (n.e.), Felix Schell (n.e.).

Brian Bell im Positionskampf.Hiroaki Kozai sucht eine Anspielstation.Michael Paye (Fotos: Armin Diekmann).