05.11.2017

RSV-Wiedergeburt trägt Neumanns Handschrift

Begeisternder 81:42-Kantersieg über Tabellenzweiten Zwickau

Nach zuletzt zwei Niederlagen ist Titelverteidiger RSV Lahn-Dill eindrucksvoll aus seinem Leistungstief zurückgekommen und hat einen begeisternden Heimsieg über den bisherigen Tabellenzweiten BSC Rollers Zwickau gefeiert. Am Ende jubelten 900 Fans und die Mannschaft gemeinsam über einen 81:42 (14:15/35:25/61:31) Kantersieg gegen die Sachsen, die damit ihre bisher höchste Saisonniederlage quittieren mussten. Die Mittelhessen zeigten dagegen vor allem in der zweiten Halbzeit, dass der dreizehnfache Meister noch lange nicht abgeschrieben werden darf.

Nach den Pleiten gegen Trier und zuletzt in München, war die Mannschaft gefordert und sie hat am Samstagabend in ihrer Heimstätte geliefert. Von Beginn an aggressiv und kämpferisch hatten Michael Paye & Co. das Heimpublikum in der August-Bebel-Sporthalle sofort hinter sich. „Wir haben uns sehr, sehr viel vorgenommen für dieses Spiel und dies konnten wir mit zunehmender Spielzeit immer besser umsetzen“, so ein erleichterter RSV-Trainer Ralf Neumann nach dem Erfolg, der eindeutig seine Handschrift trug.

Schnell führte der Hausherr mit 12:4 (5.), durch je vier Punkte von Kapitän Paye und Neuzugang Hiroaki Kozai. Vor allem der Japaner, der sofort in der Startformation der Mittelhessen stand, verhalf dem Team so viel Tempo und Ballfluss. Doch auch der 54-jährige Head Coach der Wetzlarer bemerkte, dass zu Beginn noch lange nicht alles Gold war, was glänzte. In den verbleibenden Minuten des Auftaktviertels ließ der RSV trotz gutem Kombinationsspiels erneut viele Chancen leichtfertig liegen. Das Ergebnis war der 12:13-Konter (9.) der Sachsen durch Karlis Gabranovs und Edgaras Ciaplinskas und das Wiederaufbrechen der großen Verunsicherung des Teams in den letzten Tagen und Wochen.

Doch diesmal war der mentale Wille des RSV-Kollektivs einfach zu stark, um erneut einzubrechen. Zwar ging das erste Viertel hauchdünn an den Gast und in der zwölften Spielminute hieß es erneut 16:17, jedoch kam der RSV-Express nun Minute für Minute besser in Fahrt. Sechs Punkte des überragenden Brian Bell, der in Kombination mit Hiroaki Kozai erst sein unfassbares Tempo voll ausspielen konnte, sorgten zunächst für das 23:19 (16.), ehe fünf Punkte binnen 38 Sekunden durch Junioren-Weltmeister Nico Dreimüller das 32:23 (19.) sicherstellen konnte.

Die stärkste Phase des zuletzt arg gebeutelten RSV sollte aber erst nach dem Seitenwechsel kommen. Nun spielte sich der Gastgeber in einen wahren Rausch, der immer wieder mit Szenenapplaus des Publikums honoriert wurde. Mit einem immer stärker werdenden Druck aus der Defensive heraus, zogen die Wetzlarer ein Tempospiel auf, das in dieser Saison bisher noch nicht zu sehen war, aber genau die taktische Marschroute ist, die Trainer Neumann von seiner Mannschaft umgesetzt sehen wollte. Einem 12:0-Lauf zum 47:25 (25.), folgte so eine weitere 10:0-Serie zum 57:26 (27.).

Stärkste Akteure in dieser Phase wie auch im gesamten Spiel waren neben Bell vor allem Thomas Böhme und Michael Paye, die mit einem extrem schnellen Umschaltspiel glänzten. US-Boy Bell kam am Ende auf starke 22 Punkte, sensationelle 20 Rebounds und legte mit sechs Assists auch noch seinen Teamkollegen gut auf. Nationalspieler Böhme erzielte 17 Zähler, angelte sich neun Rebounds und lenkte mit elf Assists ebenso beeindruckend die Partie wie Paye mit acht Anspielen. „Die Leistung von Brian hat mir besonders imponiert, der an der Seite mit Hiro Kozai, der das Spiel fantastisch lesen kann, erst richtig aufblühen konnte“, so Ralf Neumann nach der Schlusssirene und dem verdienten Bad in der Menge.

Am Ende gewann der RSV Lahn-Dill dieses dritte Spielviertel mit 26:6 und ließ dabei erst in der 28. Spielminute durch Gabranovs den ersten und einzige Feldkorb in diesem Spielabschnitt zu. Spätestens nach dem nächsten 10:0-Lauf zu Beginn des vierten Abschnitts zum 71:31 (34.) war klar, dass der Tabellenzweite aus Zwickau an diesem Samstagabend in Wetzlar nicht nur seine zweite Saisonniederlage einstecken musste, sondern bei der deftigen Klatsche auch Opfer des Frusts der Mittelhessen wurde, die sich diesen eindrucksvoll von der Seele spielten.

„Die mentale Stärke und der Wille des gesamten Teams waren heute beeindruckend, vorallem weil die Tage nach der Pleite von München für uns alle heftig und der Druck enorm groß war“, so Head Coach Ralf Neumann, dessen Tempobasketball von der Mannschaft nach dem Seitenwechsel sehr gut umgesetzt wurde.

Am kommenden Wochenende steht nun die erste Hauptrunde im DRS-Pokal auf dem Programm, die den Cupsieger des Vorjahres am Sonntag zum Zweitligaaufsteiger nach Luxemburg führt.

Lahn-Dill: Brian Bell (22), Thomas Böhme (17), Michael Paye (14), Hiroaki Kozai (10), Nico Dreimüller (5), Annabel Breuer (4), Jan Haller (4), Dirk Köhler (4), Christopher Huber (1), Philipp Häfeli, Marian Kind (n.e.), Felix Schell (n.e.).

Zwickau: Jan Gans (12), Rostislav Pohlmann (11), Karlis Gabranovs (8), Edgaras Ciaplinskas (7), Daniel Gehse (4/1 Dreier), Benjamin Kenyon, Frank Oehme, Andreas Schaffer.

Hiroaki Kozai bei seiner Premiere.Brian Bell artistisch (Fotos: Armin Diekmann).Christopher Huber konzentriert (Foto: Lamar Dreuth).
 
 
 
 
 

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